Angela oder wie mache ich immer den gleichen Fehler

Als ich Angela während der Olympischen Spiele in Sydney kennenlernte, arbeitete sie als Producerin für Channel 9, den TV-Markführer Australiens. Immer fröhlich erledigte sie ihre vielfältigen Aufgaben mit einem Lachen im Gesicht. Für ihr Streßmanagement im Umgang mit teilweise recht zickigen TV-Stars (und solchen, die sich dafür hielten…) war sie nachgerade berühmt. Auch wenn ihr einige Nebenwirkungen ihres Jobs teilweise gravierende Probleme bereiteten, wie z.B. extreme Flugangst, so war sie doch Producerin mit Leib und Seele.

So erfolgreich Angela im beruflichen so enttäuschend war sie im privaten Leben. Ihre Beziehungen zu Männern waren mit einem Wort zu umschreiben: katastrophal. Wobei sich bestimmte Schemata immer wiederholten: Ihre Freunde wurden immer jünger, je älter Angela wurde. Sie waren überwiegend unselbstständig, hatten keinen festen Job und waren in keiner Weise ambitioniert. Auf der anderen Seite sahen sie alle verdammt gut aus und waren ja so süüüüüss. Ich denke, Sie haben eine gute Vorstellung, um was für eine Art Männer es sich handelte.

Vertreter des männlichen Geschlechtes, die verdammt gut aussehen und „süss“ sind, haben meistens einen großen Nachteil (ich meine jetzt nicht ihren IQ): sie werden von anderen Frauen begehrt und geben diesem Begehren nur allzu gerne nach. Sprich: sie haben gleichzeitig zwischen 3 und 17 Beziehungen.

Treue ist für sie ein absolutes Fremdwort. Und eben das stellte ein absolutes Problem für Angela dar.

Im Juli 2004 begann ich mit Angela zu arbeiten. Bereits in der ersten Sitzung bekam ich deutliche Fingerzeige, wo ihr Motiv, ihr WARUM lag. Das allerdings erschien mir zunächst so abwegig und so wenig zu der Angela zu passen, wie ich sie kannte (besser vielleicht: wie sie sich präsentierte), dass ich nach Bestätigungen für dieses Motiv suchte. Mit Hilfe des von mir regelmäßig eingesetzten Profiling Value Systems nach Dr. Clare W. Graves erhielt ich diese Bestätigungen sehr bald.

Hier Angela’s äußere Beschreibung: eine 38-jährige, lebenslustige, selbstbewußte, erfolgreiche, gut verdienende, sportliche, attraktive, humorvolle Frau. Und hier ihr dominates WARUM: Sicherheit.

Im Grunde ihres Herzens, wie man so schön sagt, strebte Angela immer nach Sicherheit. Dass sie sich in einem Teil ihres Lebens, ihren Beziehungen, dabei genau in die andere Richtung orientierte, nach wenig sicheren Partnerschaften, war ihr überhaupt nicht bewusst. Grund dafür war ihr Sicherheitsbestreben in einem anderen Teil ihres Lebens, dem beruflichen. Ihre Angst durch eine (funktionierende) Beziehung ihren beruflichen Fokus sowie die damit zusammenhängende finanzielle Sicherheit zu verlieren, ließ sie permanent eben diese Situation vermeiden.

Erst als ihr dieser Zusammenhang bewusst wurde, sie ihr WARUM erkannte (und akzeptierte), war Angela in der Lage ihr Verhalten zu ändern. Und wie!

Lassen Sie uns die einzelnen Stationen sowie Techniken und Mittel überspringen, mit denen wir Angela unterstützen konnten, und spulen wir den Film 22 Monate vor. Im Mai 2006 heirate Angela „ihren“ Tim. Kein süßer Junge, sondern ein gestandenes Mannsbild: 44 Jahre jung, Leistungssportler (Rudern), Geschäftsführer einer Consultingfirma und treu wie ein Bernhardiner. Angela hat ihre Festanstellung bei Channel 9 aufgegeben und arbeitet jetzt freiberuflich.

Was den Vorteil hat, dass sie sich die Jobs aussucht, wo sie möglichst nicht fliegen muss. Die Freiheit sich diesen Luxus leisten zu können hat sie bekommen, weil sie jetzt nicht mehr allein für die finanzielle Sicherheit in der Partnerschaft verantwortlich ist.

Eigentlich warte ich jetzt täglich auf Angela’s Anruf, dass sie schwanger ist…

2 Gedanken zu “Angela oder wie mache ich immer den gleichen Fehler

  1. Hallo Eugen,

    in dieser Geschichte finden sich einige Dinge wieder, die zu mir und meiner Lebenssituation passen! Nur in etwas umgekehrter Weise…
    Vanessa sagte es bereits, besser könnte ich es nicht beschreiben… Man muss wircklich nur “loslassen” von den eigenen festgefahrenen Gedankenmustern und von einem Umfeld was einen nur behindert, statt fördert und wie Du schon sagtest: “auch von der Vergangenheit”. Denn die ist unwiederbringlich vorbei, man kann in die Vergangenheit nicht mehr eingreifen, nur in die Zukunft;-) Und daran arbeite ich nun! Alles Liebe Carolin

  2. Hallo Eugen,

    eine sehr schöne Geschichte!!! Und es zeigt wieder eines, was sich in meinem Leben auch immer wieder bestätigt hat – man muss manchmal einfach “loslassen”. Loslassen vom eigenen Denken, loslassen vom derzeitigen Handeln und die Dinge nehmen von ganz allein den richtigen Weg.

    Liebe Grüsse
    Vanessa Müller

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