Sie haben einen Feind

Sie haben einen Feind. Einen manchmal sehr arglisten Feind. Er ist verschlagen, schmiedet dunkle Pläne und lauert stets auf eine Gelegenheit Ihnen ein Bein zu stellen. Obwohl allein,  verfügt dieser Feind über ein ganzes Arsenal an ausgeklügelten Taktiken.
Alle Menschen müssen gegen diesen Feind kämpfen und alle erfolgreichen Menschen haben diesen Kampf gewonnen. Erstaunlicherweise wissen die meisten Menschen nicht einmal, dass dieser Feind überhaupt existiert. Und ein unsichtbarer Feund ist ein sehr gefährlicher Feind.

Zum Glück hat dieser Feind aber eine schwache Stelle und ist (mit ein wenig Übung) leicht zu besiegen. Vor allem, wenn Sie ihn erst einmal erkannt haben.

Wer ist dieser Feind?

Wer spuckt Ihnen immer wieder in die sprichwörtliche Suppe?

Es ist die negative, nichtsnutzige, nerventötende Stimme des Selbstzweifels. Die Stimme, die Ihnen einflüstert: Du kannst nichts, du bist nichts, du hast nichts. Manchmal flüstert sie nur, manchmal schreit sie und oft genug plappert sie einfach nur ohne Pause auf Sie ein.

Neben dem Namen Selbstzweifel hat dieser Feind viele weitere: Skepsis, Unglaube,  Furchtsamkeit, Beklemmung, Unsicherheit, Misstrauen. Selbstverachtung, Minderwertigkeitsgefühl – ich denke, Sie wissen, was ich meine.

Ich erinnere mich noch an mein ersten Tennisspiel, das ich aus Wimbledon kommentieren durfte. Ein Spiel mit Stefan Edberg. Zwar hatte ich als Radioreporter Erfahrung in längeren Kommentaren, aber das war ein Tennisspiel, wo ich möglicherweise für Stunden kommentieren musste. Dazu kam, dass ich jetzt nicht mehr für einen kleinen Hamburger Privatsender vor dem Mikrophon saß, sondern für Deutschland’s TV-Marktführer RTL und vom bedeutendsten Tennisturnier der Welt berichtete.

Ich kann Ihnen sagen, mein Feind lief zur Hochform auf. Auch wenn ich im Grunde genommen davon überzeugt war, dem Job gewachsen zu sein, gebährdete sich der kleine Mann im Ohr, als würde die Welt untergehen.

Hier ein paar Kostproben:

„Bist Du von allen guten Geistern verlassen? Du hast doch nie länger als 30 Minuten kommentiert. Was machst Du, wenn Dir nichts mehr einfällt? Was glaubst Du, sagen die Millionen Tennisfans in Deutschland, wenn nur noch ein Krächzen und Gurgeln aus dem Lautsprecher kommt?“ Bla, bla, bla, laber, schwatz, kritisier.

Der Feind begann seine Attacken am Abend vor der Sendung, als ich erfuhr, dass ich ein komplettes Match life kommentieren würde, legte sich in der Nacht mitnichten zur Ruhe, griff auch in den Träumen mit aller Kraft an und verdarb mir das Frühstück.

Irgendwann um 10:30 Uhr herum hatte ich genug. Und jetzt kommt der wichtige Teil. Ich wurde wütend, stinkwütend, wie es so schön heisst. Mit anderen Worten, ich entwickelte eine negative Reaktion auf die negativen Worte meines Feindes. Und das half.

„Wer bist Du denn, mir hier zu sagen, ich könne das nicht, ich würde vor dem Mikrophon eingehen? Wie kannst Du es nur wagen?“

Das war der Durchbruch. Die Fragen halfen mir zu erkennen, dass mein Feind und gleichzeitig mein größtes Hindernis in mir selbst lag. Keiner meiner Kollegen kam auf mich zu und sagte: „Das wird heute bestimmt eine Riesenkatastrophe.“ Ich selbst war es, der sich das einredete – zumindest bis 10:30 Uhr.

Dann sagte ich mir: Na und? Was kann mir schon groß passieren? Jeder macht Fehler. Aber nur wer sich auf seine Fehler konzentriert, macht sie größer als sie sind.

Was also können Sie tun, wenn der Feind sich wieder einmal rührt? Was ist das beste Gegenmittel gegen den lästigen Störenfried im Hinterkopf?  Im Laufe der Jahre habe ich viele verschiedene Techniken ausprobiert, die vor allem auf Langzeitwirkung ausgelegt waren. Heute belächle ich den Feind meistens eher mitleidig (aber ich unterschätze ihn niemals!)

Ich werde Ihnen ein simples Konzept vorstellen, das mir zu Beginn meines Kampfes oft geholfen hat. Das Doppel-I-Konzept:

Isolieren und ignorieren.

Wann immer der Feind sich zu regen beginnt, wann immer er sein Wort erhebt, isolieren Sie  ihn als Einzeltäter. Er hat mit Ihnen nichts zu tun. Isolieren Sie ihn von der Realität. Schauen Sie sich um, was Sie sehen ist Realität, nicht was der Feind im Inneren sagt.
Als nächstes ignorieren Sie die Worte. Der Blick um Sie herum hat Sie bereits mit der sichtbaren, greifbaren, hörbaren und riechbaren Realität verbunden, die mit den Worten nichts aber auch gar nichts zu tun haben. Sie können den Feind beruhigt ziehen lassen. Mag er in der Besenkammer vor sich hinschimpfen. Sie haben besseres zu tun. Gehen Sie weiter auf dem Weg nach vorne zu Ihrem Erfolg. Lassen Sie den Feind zurück.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei

“Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muss sich vorwärts bewegen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.“ Albert Einstein

Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Feind und was Ihre Gegenmaßnahmen?

6 Gedanken zu “Sie haben einen Feind

  1. “Da wird garantiert was schieflaufen”,”Du wirst ausgelacht werden” usw..
    Ich habe bemerkt, dass dieser Störenfried manchmal auch ganz nützlich sein kann, da er gewinnt, wenn man nicht mit ganzem Herzen bei der Sache ist, die man tut.
    Durch ihn stelle ich mir oft die Frage, ob ich etwas wirklich will, oder ob es nur andere von mir erwarten.
    Falls er wirklich mal stört, dann Stelle ich mir die Situation vor und höre nebenher eine schöne CD, da hat er keine Chance :-)

  2. Wenn mir jemand traurig voller Mitleid in die Augen schaut und mich bedauert, weil ich ihm gerade alle Gründe, weshalb ich etwas nicht schaffen kann, anvertraut habe, dann spornt mich das überhaupt nicht an – sondern macht mich nur noch fertiger. Die unverschämten Angriffe meiner inneren Stimme jedoch , dienen mir meistens regelrecht dazu , den Gegenbeweis zu liefern. Mit anderen Worten ich fühle mich herausgefordert, ich spüre ich habe einen Feind vor mir, gegen den ich alles aufbieten muss um zu bestehen. Das spornt mich an und siehe da, läßt mich sogar manchmal über mich hinauswachsen. Da sonst mein Phlegma zu groß wäre, sage ich : Danke, lieber Feind, dass du dich wieder mal mit mir messen möchtest!

  3. Hallo Eugen,
    dieser kleine Feind in mir, ist doch süss.
    Ich sage mir dann: “Ich Bin hier der Chef und du hast hier nichts zu melden, verschwinde und raus mit Dir”.

    LG Ralf Eckhardt

  4. Besonders vor neuen Herausforderungen meldet er sich immer wieder. Zusammenfassend behaupte ich von meinem Feind: “Große Klappe und nichts dahinter!”, denn wenn er Unrecht hatte, zieht er seinen Schwanz ein und gibt keinen Laut mehr von sich.

    Meldet er sich mal wieder vor einer neuen Herausforderung, sage ich ihm, dass er doch gar nicht wissen kann(!), was passieren wird und erinnere ihn sanft an Situationen, in denen er Unrecht hatte.
    “Wir haben doch auch alles getan, was zu dieser Zeit (in dieser kurzen Zeit) und unter den gegebenen Umständen möglich war und(!) was wir auch zu tun bereit waren! Wir werden mit den Konsequenzen gut leben können.”
    Ich nehme ihn dann an die Hand und sage ihm aufmunternd und schmunzelnd: “Da gehen wir jetzt gemeinsam durch und schauen, was wir lernen können! Wir werden die Konsequenzen unserer Vorbereitungen (Handlungen)kennenlernen.”

    Nach einer erfolgreich absolvierten Herausforderung höre und sehe ich nichts(!) mehr von ihm. Er reagiert noch nicht mal mehr kleinlaut auf meine Ansprache, die lautet: “Siehst Du, hätten wir uns jetzt weiter negative Gedanken gemacht, hätten wir wert – volle, glückliche Zeit verschenkt.”

    Nach einer weniger erfolgreichen Herausforderung sind wir auch reicher(!) … an Erfahrung. Wir haben vorher genau das getan, was wir zu dem Zeitpunkt davor auch wußten! Den Rest haben wir auf uns zukommen lassen.

  5. Dieser innere Kritiker, diese Stimme, die mich oft gerade dann runter ziehen will, wenn ich es am wenigsten brauchen kann, ist ganz schön nervig.
    Mittlerweile habe ich eine gute Strategie entwickelt: Ich konzentriere mich auf das, was aus meinem Herzen kommt. Das ist am Anfang nicht leicht, in dem “Stimmengewirr” die Stimme des Herzens heraus zu hören. Aber sie ist da, immer. Dafür muß ich still werden. Und mit jedem Mal, wo ich mir gestatte zuzuhören, fällt es mir leichter, sie beim nächsten mal wahrzunehmen.

  6. Toll – der Feind im eigenen Körper, im eigenen Geist und ich erkenne ihn nicht. Wie kann ich etwas ignorieren und dann auch noch isolieren, wenn ich ES nicht erkenne, nicht weiß, wo es sich breit macht und seine negativen Energien verströmt?

    Wie lange werde ich noch brauchen, um diesen Feind zu erkennen? Muss ich erst ganz am Boden liegen oder schaffe ich es vorher.

    Wie viele Menschen stellen sich täglich diese Fragen – wollen wir uns nicht auf einem Seminar bei Eugen Simon treffen?

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